Heiraten oder nicht? Eine nüchterne Betrachtungsweise

Gedanken, warum das Konkubinat oder die Ehe aus sozialversicherungsrechtlichen oder steuerlichen Gründen besser sein könnte.

hohczeit

Es ist noch gar nicht so lange her, da war die wilde Ehe oder eben das Konkubinat als Lebensform verboten (in Zürich bis 1972, im Wallis sogar bis 1995, jedenfalls gemäss Wikipedia). Doch diese Lebensform hat enorm an Bedeutung gewonnen. In der heutigen Zeit gibt es wenige Paare, welche vor einer allfälligen Hochzeit und vor dem Kinder kriegen nicht schon einige Zeit im Konkubinat gelebt haben. Der Staat mit seinen Institutionen und Gesetzen tut sich jedoch schwer mit dem Konkubinat, da es keine amtliche Registrierung braucht (im Gegensatz zur Ehe), es aber doch eine eheähnliche Lebensgemeinschaft ist und darum gewisse Bedürfnisse wie bei der Ehe bestehen (Absicherung, Vorsorge, etc.). Die Ehe hingegen ist gesetzlich klar geregelt mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Bei der Frage, ob man aus rechtlichen Gründen heiraten soll, muss man zuerst zwei Gruppen unterscheiden: Paare ohne und Paare mit Kindern.

Paare ohne Kinder

Bei Paaren ohne Kinder sind i.d.R. beide erwerbstätig und können beide für ihren Unterhalt selber aufkommen. Sie sind auch beide für sich im Invaliditätsfall und für das Alter versichert. Verstirbt einer der Lebenspartner, erhält der andere nichts aus der AHV, jedoch allenfalls aus der Pensionskasse (abhängig von diversen Kriterien). Die Steuern bezahlen die Lebenspartner auch besser einzeln, da in den meisten Kanton und beim Bund immer noch die Heiratsstrafe wirkt (Heiratsstrafe darum, weil das Ehepaar trotz vorteilhaftem Verheiratetentarif mehr Steuern bezahlt als die einzelnen Konkubinatspartner, weil bei den Ehepartnern die Einkommen zusammengezählt werden und sie somit in eine höhere Progressionsstufe rutschen).

Fazit: Aus sozialversicherungs- und steuerrechtlichen Gründen lohnt sich in der Regel eine Hochzeit nicht.

Paare mit Kindern

Hier ist es ja üblich, dass der eine Partner – meistens die Frau – sein bzw. ihr Pensum reduziert um die Kinderbetreuung zu übernehmen. Dazu gibt es einiges zu wissen bzw. zu berücksichtigen:

Steuern

familie

Jeder Konkubinatspartner wird natürlich für sich besteuert. Dabei werden in der Regel demjenigen Partner die Kinderabzüge (Versicherungsprämienabzug, externe Betreuung, Sozialabzüge) sowie der Verheiratetentarif (VT) gewährt, welcher das höhere Einkommen hat. Dies hat einen massiven Einfluss auf das steuerbare Einkommen, sind doch diese Abzüge zum Teil nicht unerheblich und der VT ist einiges moderater als der Grundtarif (für Einzelpersonen). Steuerlich hat dieses Modell häufig Vorteile gegenüber der Ehe.

Sozialversicherungen

Hier lohnt sich zweimaliges Hinsehen. Bei der AHV werden beide Partner als Einzelpersonen angesehen. Dies bedeutet, dass beim Todesfall des einen Partners der andere keine Witwen/Witwer-Rente erhält (die AHV hat die Entwicklung der letzten 40 Jahre nicht mitgemacht). Zudem spart jeder für sich persönlich für das Alter an, was bedeutet, dass der reduziert erwerbstätige Partner auch bedeutend weniger für sich anspart. Immerhin kann man die sogenannten Betreuungsgutschriften (fiktives Einkommen bei der AHV für Kinderbetreuung) diesem Partner anrechnen.

Dasselbe gilt auch für die Pensionskasse. Auch dort spart jeder Partner für seine persönliche Altersvorsorge an (bei der Ehe gibt es im Alter eine Ehegattenrente  bzw. bei einer Scheidung wird das während der Ehejahre angesparte Alterskapital geteilt). Immerhin kennen heutzutage viele Pensionskassen sogenannte Lebenspartnerrenten, also Renten oder eine Kapitalzahlung an den Konkubinatspartner im Todesfall des Versicherten / Arbeitnehmers.

Fazit

Aus steuerlicher und sozialversicherungsrechtlicher Sicht ist die Ehe bei Paaren ohne Kinder i.d.R. eher nachteilig, bei Paaren mit Kindern eher von Vorteil.

Zu beachten

In diesem Eintrag nicht behandelt wurden Themen wir Erbrecht, Elterliche Sorge, Unterhaltszahlungen, etc. Zudem sind die oben gemachten Aussagen verallgemeinert. Sie treffen nie vollständig auf die individuelle Situation eines einzelnen Paares direkt zu. Eine entsprechende Beratung ist daher immer zwingend notwendig.

Wenn Ihnen unsere Beiträge gefallen, können Sie Sich auf unserer Blogseite für eine automatische Benachrichtigung bei neuen Einträgen mit Ihrer E-Mail Adresse anmelden. Sie finden uns auch auf Facebook.

Advertisements

Komment

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s