Lohn oder Dividende – die Lage wird noch interessanter

lohnEin im Betrieb arbeitender Teilhaber* muss sich regelmässig überlegen, wie er seinen Anteil für seine Arbeitsleistung und für das Risikokapital am besten bezieht, sprich wie viel Lohn und Dividende er sich auszahlen lässt. Dabei lässt er sich – je nach konkreter Konstellation – vor allem von steuerlichen Begebenheiten leiten.

Bis vor einigen Jahren waren Dividenden in inhabergeführten Unternehmungen ziemlich uninteressant, da eine wirtschaftliche Doppelbelastung vorlag (sofern es sich um eine AG oder GmbH gehandelt hat). Eine wirtschaftliche Doppelbelastung bedeutet, dass zuerst die Gewinne in der Gesellschaft versteuert werden mussten und danach die aus dem Gewinn bezahlten Dividenden beim Inhaber nochmals mit Einkommenssteuern belegt wurden. In den meisten Kantonen und beim Bund wurde dies in der Zwischenzeit „gemildert“, indem die Dividenden nur noch teilweise besteuert werden (sogenannte „privilegierte Dividendenbesteuerung“). Voraussetzung hierfür ist immer eine „qualifizierte Beteiligung“, also eine Beteiligung von mind. 10 % des Grund- oder Stammkapital (kantonal verschieden).

Um der wirtschaftlichen Doppelbelastung zu entgehen, zahlte man sich bis vor einigen Jahren einen höheren Lohn aus um den Gewinn in der Unternehmung zu senken. Dieser war zwar AHV- und FAK (Familienausgleichskasse)-pflichtig, doch waren diese rund 12 % Sozialabgaben immer noch lukrativer als 20 bis 30 % Gewinnsteuern. Die Steuerbehörden haben hier ein Auge auf einen marktgerechten Lohn gehabt, damit nicht zu viel Lohn ausbezahlt wird.

Mit der Einführung der privilegierten Dividendenbesteuerung gibt es nicht mehr eine favorisierte Lösung. So muss neu jeder konkrete Fall aufgrund des Geschäftssitzes und des Wohnortes sowie persönlicher Situation der Teilhaber berechnet werden um die Lohn- oder Dividendenzahlung zu favorisieren.

In der aktuellen Entwicklung auf politischer Ebene könnte nochmals ein Schritt in Richtung Dividende gemacht werden. So hat im Rahmen des Steuerstreits mit der EU ein Spezialgremium dem Bundesrat einen Zwischenbericht vorgelegt1. Zu den angestrebten Lösungen gehört der Verzicht auf gewisse problematische Steuerregime in der Schweiz (z.B. Holdingbesteuerung). Im Gegenzug soll eine sogenannte „Lizenzbox“ (privilegierte Besteuerung von Lizenzerträgen) eingeführt und das Niveau der Unternehmenssteuern gesenkt werden, damit die Schweiz gegenüber Tiefsteuerländern wie Irland konkurrenzfähig bleibt. Sinken aber zukünftig die Unternehmenssteuern tatsächlich weiter ab (Irland hat derzeit einen Körperschaftssteuersatz von 12.5%), so werden die Dividenden noch attraktiver.

Es könnte also durchaus steuerlich attraktiv sein, sich einen bescheidenen Lohn und dafür eine umso höhere Dividende auszubezahlen, um die Sozialabgaben (z.B. AHV-Beiträge) zu umgehen (auf Dividenden sind keine Sozialabgaben geschuldet). Da dieses Vorgehen zu einer Benachteiligung der AHV führen würde, prüft die AHV-Ausgleichskasse, ob die gesetzlichen Vorgaben eingehalten sind und schreitet bei einem Missverhältnis ein. Doch was sind die derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen?

Bundesgerichtsentscheide als Grundlage 2

Gestützt auf verschiedene bundesgerichtliche Entscheide sind in der „Wegleitung über den massgebenden Lohn in der AHV, IV und EO (WML)“3 verschiedene Kriterien festgehalten, die für das Verhältnis von Lohn zu Dividende massgebend sind:

  • Es darf kein offensichtliches Missverhältnis zwischen der geleisteten Arbeit und dem Entgelt resp. dem eingesetzten Vermögen und dem Vermögensertrag geben.
  • Die Angemessenheit des Lohnes misst sich unter anderem an Branchenvergleichen, dem zeitlichen Umfang des Arbeitspensums, Art der Tätigkeit und Position, Verantwortungsumfang, Lohnvergleiche innerhalb des Unternehmens etc. In einem Bundesgerichtsentscheid vom 25.10.2012 wurde ein Lohn von CHF 120‘000 pro Jahr für einen Alleinaktionär und Geschäftsführer als angemessen betrachtet.
  • Die Angemessenheit der Dividende bemisst sich am Steuerwert der Wertpapiere. Dividendenerträge über 10% sind vermutungsweise überhöht.

Natürlich müssen solche Kriterien immer so angewendet werden, dass die Umstände des aktuellen Einzelfalles beleuchtet werden. So kann es zum Beispiel sein, dass auf Grund einer Nachfolgeplanung hohe Dividenden ausgeschüttet werden, damit die Gesellschaft „leichter“ (sprich: weniger Eigenkapital und so günstiger im Preis) wird. Eine solche Dividende, die auch schnell über 10% liegen kann, wäre eindeutig gesellschaftsrechtlich und nicht arbeitsrechtlich motiviert, was als starkes Argument gegenüber der AHV Ausgleichskasse ins Feld geführt werden könnte.

Fazit

Nur wenn ein offensichtliches Missverhältnis von Lohn zu Dividende vorliegt und dieses nicht gesellschaftsrechtlich, sondern arbeitsrechtlich motiviert ist, besteht die Gefahr, dass eine Dividende in AHV-pflichtigen Lohn umgewandelt wird. Es muss stets der Einzelfall untersucht werden. Der Unternehmer kann, ja sollte sogar, das Verhältnis von Lohn zu Dividende analysieren und optimieren. Stets sollte er aber, sofern es das Geschäftsergebnis zulässt, ein branchenüblicher Lohn unter Berücksichtigung des Arbeitspensums ausbezahlt werden.

Link: 1 http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/der-fahrplan-fuer-die-loesung-des-steuerstreits-mit-der-eu-1.18078701

2http://entscheide.weblaw.ch/cache/f.php?breakout=1&q=&ul=fr&sel_lang=de&url=links.weblaw.ch%2F25.10.2012_9C_669-2011

3 http://www.bsv.admin.ch/vollzug/documents/view/361/lang:deu/category:22

*der einfacheren Leserbarkeit halber wird auf die Unterscheidung der männlichen/weiblichen Form verzichtet

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