Vollversicherung oder Sammelstiftung?

Pensionskasse3

Unternehmen stehen für die berufliche Vorsorge grundsätzlich drei Varianten zur Verfügung:

  1. Eigene „autonome“ Pensionskasse
  2. Anschluss an eine „teilautonome“ Sammelstiftung
  3. Anschluss an eine Vollversicherungslösung

In der Praxis treten auch Mischformen auf. Eine eigene autonome Pensionskasse zu betreiben wäre für viele KMUs zu aufwändig. Somit konzentrieren wir uns im Folgenden auf die Ziele und Unterschiede von teilautonomen Sammelstiftungen und Vollversicherungslösungen. Aktuelle Vergleiche zeigen, dass sich eine kluge Wahl durchaus auszahlen kann.

Teilautonome Sammelstiftungen

Sammelstiftungen können teilautonome Pensionskassen sein, die unabhängig am Markt auftreten. Teilautonome Sammelstiftungen werden jedoch auch von den grossen Lebensversicherungen angeboten. Diese halbautonomen Pensionskassen übernehmen die Verwaltung des Anlagevermögens selbst, sichern sich jedoch für die Risiken Tod und Invalidität bei einer Rückversicherung ab. Die angeschlossenen Betriebe und Versicherten tragen somit das Anlagerisiko selbst. Eine teilautonome Sammelstiftung kann, versursacht durch schlechte Anlageresultate, eine Unterdeckung aufweisen, was Sanierungsmassnahmen zur Folge haben kann, was zu Mehrkosten bei den angeschlossenen Betrieben und/oder Abstrichen bei den Versicherten führen würde. Andererseits fallen bei guter Anlageperformance Überschüsse an, die beispielsweise durch eine grosszügigere Verzinsung der Altersguthaben an die Versicherten verteilt werden könnten. Es bleibt der Sammelstiftung überlassen, wie risikoreich und flexibel sie in der Anlagepolitik ist. Da kurzzeitige Unterdeckungen zulässig sind, können theoretisch höhere Risiken eingegangen werden als bei einer Vollversicherung. Mittel- bis langfristig dürfte (und sollte) sich dies in einer besseren Verzinsung des Altersguthabens im Vergleich zur Vollversicherung niederschlagen. Die grösste Schweizer Sammelstiftung, die Sammelstiftung Vita, investiert rund 43% in festverzinsliche Anlagen, 18% in Immobilien/Hypotheken, 21% in Aktien und 18% in alternative Anlagen. Das obligatorische Sparkapital wird derzeit mit 1.5% und das überobligatorische Sparkapital (welches oft den viel grösseren Teil ausmacht) mit 2.0% verzinst.

Vollversicherung

Die Vollversicherung deckt, wie es der Name schon sagt, alle Risiken ab. Dies beinhaltet auch das Anlagerisiko. Ein Deckungsgrad unter 100% ist nicht möglich. Zu den wichtigsten Anbietern von Vollversicherungen gehören die grossen Lebensversicherungsgesellschaften wie SwissLife, Winterthur-Columna, Helvetia, Basler, Pax etc. Da diese Kassen nie eine Unterdeckung aufweisen dürfen, ist die Anlagepolitik vorsichtiger. In der Regel werden über 70% der Anlagen in festverzinsliche Wertschriften, rund 20% in Immobilien/Hypotheken und weniger als 5% in Aktien investiert. Dies hat zur Folge, dass die Verzinsung des Altersguthabens im Vergleich zu autonomen und teilautonomen Pensionskassen tiefer ist. Beispielsweise werden bei der SwissLife die obligatorischen Altersguthaben derzeit mit 1.5% verzinst, die überobligatorischen mit 1.25%.

Fazit

Vollversicherungen sind derzeit im Trend, aus verständlichen Gründen. Viele trauen derzeit den Anlagemärkten nicht und nach den Börsenturbulenzen des vergangenen Jahrzehnts steht Sicherheit ganz oben auf der Prioritätenliste. Allerdings muss man sich bewusst sein, dass diese zusätzliche Sicherheit seinen Preis hat (in unserem Vergleich 0.75% auf dem überobligatorischen Sparguthaben). Auf langfristige Sicht können bereits kleine Verzinsungsunterschiede wegen des Zinseszins-Effekts zu erheblichen Unterschieden im Endresultat führen. Wer sich einer Vollversicherung anschliesst, erklärt sich auch mit einer Anlagepolitik einverstanden, die praktisch nicht in Aktien investiert. Es muss individuell berechnet werden, ob die eigenen Ansprüche im Pensionsalter mit einer jährlich tiefen Verzinsung erreicht werden können.

Interessanterweise zeigen aktuelle Vergleiche, dass die teilautonomen Sammelstiftungen und die Vollversicherungen sehr ähnliche Umwandlungssätze anwenden. Die zusätzlichen Freiheiten einer teilautonomen Sammelstiftung in der Anlagepolitik drücken sich demnach hauptsächlich in der Verzinsung aus.

Welche der beiden Lösungen für ein Unternehmen die geeignete ist, kann nicht generell beantwortet werden. Es ist gut, dass eine Wahl besteht zwischen maximaler Sicherheit und potentiell besserer Verzinsung. Wie allgemein bei Fragen zur Pensionskasse müssen langfristige Planung und Voraussicht angewendet werden. Wir von Aeppli & Mueller Consulting GmbH helfen Ihnen bei Fragen gerne weiter und arbeiten mit diversen Partnern in diesem Bereich zusammen.

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