Von der Logik von Steuerabzügen

Familieninitiative 1Die Abstimmung über die SVP-Familieninitiative (Abzüge für selbstbetreute Kinder) ist gerade erst wenige Wochen alt. Sie wurde relativ deutlich abgelehnt. Die Gegner führten unter anderem ins Feld, dass dies unlogische Abzüge seien (siehe Bilder). Als „logische“ Abzüge gelten die sogenannt steuersystematischen Abzüge, also für getätigte Ausgaben die der Einkommenserzielung dienen (z.B. Berufsauslagen). Die Gegner mögen mit ihrer Argumentation zwar Recht haben, doch müsste man dann eine ganze Reihe von Abzügen auf ihre „Logik“ überprüfen. Hier eine kleine Auflistung, ohne Gewähr auf Vollständigkeit.

  • Berufsauslagen: Auch wenn hier ein Teil sicher logisch ist, macht ein Abzug der Wegkosten mit dem Auto von mehr als rund CHF 3‘500 (Preis GA SBB) wohl keinen Sinn, da somit nur die Zersiedlung gefördert wird.
  • Schuldzinsen: Warum sollen – ausser bei der Hypothek – Schuldzinsen in Abzug gebracht werden können? Hier fördert der Staat sogar die Verschuldung mit z.B. Kleinkrediten, was sozialpolitisch sicher nicht erwünscht ist.
  • Familieninitiative 2Beiträge an die 2. und 3. Säule: Hier können unter gewissen Voraussetzungen grosse Beträge einbezahlt und bei den Steuern abgezogen werden. Der Staat fördert hier die Altersvorsorge, doch wird dies in der Praxis häufig nur noch als Instrument der Steueroptimierung verwendet. Oder mal ganz ehrlich: Wer würde eine 3. Säule einzahlen, wenn es nicht steuerlich begünstigt wäre? – Die Finanzlobby hat hier hervorragende Arbeit geleistet!
  • Versicherungsprämien: Hier kann ein Abzug für im Wesentlichen die Krankenkassenprämie gemacht werden (welche häufig sowieso schon höher ist, als der Maximalbetrag). Der Sinn dieses Abzuges bleibt aber unklar, denn die Krankenkassenprämien sind Lebenshaltungskosten (wie Miete, Lebensmittel etc.) und wären eigentlich nicht abzugsfähig. – Wenn schon, dann könnte man diesen Abzug gleich in den Sozialabzug einbauen.
  • Beiträge an politische Parteien: Hier haben sich die Politiker verewigt und versuchen steuerbegünstigt zu Geld zu gelangen. Oder wer erhält nach einer Parteispende eine direkte Gegenleistung?
  • Behinderungsbedingte Kosten sowie Krankheits- und Unfallkosten: Dies ist ein weiterer nicht systematischer Abzug, da keine Einkommenserzielung bezweckt wird. Hier wird Sozialpolitik gemacht.
  • Gemeinnützige Zuwendungen: Es ist ja erfreulich, dass der Staat die Gemeinnützigkeit fördern will. Doch auch dies ist kein steuersystematischer Abzug und nützt den Personen mit hohem Einkommen mehr (wegen Progression).

Fazit

Es gibt nur wenige Abzüge bei den Steuern, welche eigentlich steuersystematisch richtig sind. Bringt aber ein Politiker das Streichen von Abzügen ernsthaft aus Parkett,  käme er wohl politisch stark unter Beschuss. Vernünftig wäre es trotzdem.

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