Kinderzulagen – wie funktioniert dies und wer zahlt?

Familien mit minderjährigen Kindern erhalten Kinderzulagen, üblicherweise mit dem Lohn vom Arbeitgeber ausbezahlt. Eine nette Geste vom Arbeitgeber oder steckt doch einiges mehr dahinter?Die Kinderzulagen sind im Familienzulagengesetz (Bund) geregelt. Darin ist festgehalten, dass jedes Kind bis 16 Jahre CHF 200 pro Monat und jedes Kind bis 25 Jahre – sofern in Ausbildung -CHF 250 erhält (Kinder- bzw. Ausbildungszulagen). Doch die Schweiz wäre nicht die Schweiz, wenn dies überall gleich wäre: Die Kantone könne auch höhere Beiträge festlegen. So gilt zum Beispiel in:

Zürich:                  CHF 200 bis 11 Jahre und CHF 250 bereits ab 12 Jahren

Zug:                       CHF 300 bis 18 Jahre und CHF 350 über 18 Jahre

Bern:                    CHF 230 bis 16 Jahre und CHF 290 über 16 Jahre

Schwyz:               Zusätzlich eine Geburtszulage von CHF 1‘000

Wallis:                  CHF 275 bis 16 Jahre und CHF 425 über 16 Jahre und Geburtszulage von CHF 2‘000

Von den 26 Kantonen haben nur 12 Kantone den „Standard“ übernommen. Die anderen haben Sonderlösungen gefunden.

Ursprünglich war gedacht, dass die Familienzulagen in der ganzen Schweiz gleich gehandhabt werden, damit dies administrativ bedeutend einfacher wird. Die regionalen Sonderwünsche haben dies jedoch leider zunichte gemacht.

Bild: diegoballi.ch

Bild: diegoballi.ch

Doch wie werden diese Zulagen überhaupt finanziert?

Der Arbeitgeber zahlt – je nach Kanton einen Beitrag an die Familienausgleichskassen (FAK). Dieser Beitrag ist ein Prozentsatz vom gesamten AHV-Lohnund schwankt zwischen 1.2 % (ZH) und 3.2 % (VS). Der grosse Unterschied liegt einerseits an den stark unterschiedlichen Leistungen wie aber auch an den Lohnsummen in den Kantonen (die Löhne sind im Durchschnitt in Zürich höher als z.B. im Wallis).

Die Familienausgleichskassen ihrerseits (welche üblicherweise bei einer AHV-Ausgleichskasse angehängt sind) ziehen die Beiträge ein und verteilen es wieder an die Arbeitgeber zurück, je nach zulagenberechtigter Anzahl Kinder der Angestellten.

Das Gesetz regelt nicht nur die Höhe der Zulagen, sondern auch wer Anspruch darauf hat. So wird festgelegt, wer von den Elternteilen die Kinderzulagen zugesprochen erhält, falls beide erwerbstätig sind. Dies hat dann leider dazu geführt, dass die Familienausgleichskassen sehr viele Informationen benötigen, wie z.B. der Lohn beider Ehepartner. Da das Formular aber über die Personalabteilung eines Arbeitgebers eingereicht wird, weiss dieser dann gerade auch über den Lohn des anderen Elternteils Bescheid!

Die Familienausgleichskassen haben in der Vergangenheit autonom gearbeitet, d.h. Doppelbezüge wurden nicht zwingend aufgedeckt.  Daher hat man im 2011 ein zentrales Register mit allen Kindern angelegt, welche eine Zulage erhalten (damit jedes Kind auch nur eine Zulage erhält). In den Jahren 2011 und 2012 wurden rund 45‘000 Fälle identifiziert, in welchen die Kinderzulagen doppelt bezogen wurden! Zudem wurdendank dem Register pro Jahr rund 12‘000 doppelt beantragte Kinderzulagen präventiv verhindert.

Fazit

Es wurde einiges in die richtige Richtung getan, doch leider blieb man auf halbem Wege stehen. Verbesserungs- und Vereinfachungspotential ist definitiv noch vorhanden!

(1)    http://www.aza.ch/de/pdf-public/dienstleistungen/fak/diverses/040_SynopsisCH_2014.pdf?navid=23

(2)    http://www.aza.ch/de/pdf-public/dienstleistungen/fak/501_Dot6181_AnmeldeFormularFamZ_d_V-1.6.pdf

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