Brauche ich als Kleinunternehmen eine Revisionsstelle?

Opting-out1

Grundsätzlich ja, denn wer die Grössenkriterien für eine ordentliche Revision (20-40-250 Regel1) nicht erreicht, ist verpflichtet eine sogenannt eingeschränkte Revision durchführen zu lassen. Allerdings hat der Gesetzgeber mit dem „Opting-out“ ein Instrument installiert, welches den Gesellschaften ermöglicht auf eine Revisionsstelle ganz zu verzichten, sofern alle Aktionäre / Gesellschafter einverstanden sind und die Gesellschaft nicht mehr als 10 Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt hat. Wie dieses Opting-out funktioniert, wollen wir hier erläutern und auch auf einige Spezialfälle eingehen.

Das Opting-out wird von den Unternehmen rege genutzt. Gemäss einem Artikel in der NZZ2 hatten per Ende Juni 2013 knapp die Hälfte (47%) aller im Handelsregister eingetragenen Aktiengesellschaften (AG) und praktisch alle Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH; 92%) die Revision aufgegeben.

Wie funktioniert das Opting-out?

Damit eine Gesellschaft das Opting-out anwenden kann, müssen sämtliche Aktionäre/Gesellschafter auf die eingeschränkte Revision verzichten und die Gesellschaft darf nicht mehr als 10 Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt haben. Der Verzicht auf die eingeschränkte Revision muss von allen Aktionären/Gesellschaftern beschlossen und im Handelsregister eingetragen werden. Zudem müssen die Statuten die Möglichkeit des Opting out vorsehen Das Handelsregisteramt prüft somit die Zulässigkeit des Opting-out bei der Eintragung, nimmt aber keine Detailprüfungen vor, sondern stützt sich auf die Erklärung des Verwaltungsrates / der Gesellschafter ab.

Im neuen Rechnungslegungsrecht wurde wohlweisslich ein neues Erfordernis eingefügt, wonach im Anhang der Jahresrechnung eine Erklärung darüber abzugeben ist, ob die Anzahl der Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt nicht über 10 lag.  Wie diese 10 Vollzeitstellen im Detail zu berechnen sind, wurde allerdings im Gesetzestext nicht näher erläutert. Sollen etwa Lehrlinge und Auszubildende auch mitberechnet werden, obwohl diese rein wirtschaftliche betrachtet eine eher geringe Produktivität und viele Absenzen haben? Sollen temporäre Arbeitskräfte dem Personalverleiher oder doch eher dem Einsatzbetrieb zugerechnet werden?

Im Allgemeinen hat sich in der Lehre die Meinung durchgesetzt, dass auf das arbeitsvertragliche Verhältnis abzustellen sei. Mitarbeitende werden jenem Unternehmen zugerechnet, mit welchem sie einen Arbeitsvertrag abgeschlossen haben und welches auch die im Einzelfall relevanten Sozialleistungen abrechnet. Lehrlinge und Auszubildende haben einen Arbeitsvertrag gemäss OR und sind deshalb dazuzurechnen. Natürlich sollte das Pensum und Abwesenheiten (Schule) berücksichtigt werden (Vollzeitstellenberechnung). Temporäre Arbeitskräfte sind dem Personalverleiher zuzurechnen, da das arbeitsvertragliche Verhältnis mit diesem besteht. Diesbezüglich ist aber anzumerken, dass bei den verschiedenen kantonalen Handelsregistern keine einheitliche Praxis besteht. Somit müssen im konkreten Fall die jeweiligen Merkblätter des zuständigen Handelsregisteramtes konsultiert werden.

Ein einmal beschlossenes Opting-out bleibt auch in den nachfolgenden Geschäftsjahren gültig. Was passiert nun, wenn die Gesellschaft wächst und im laufenden Geschäftsjahr festgestellt wird, dass die 10 Vollzeitstellen überschritten werden?

Nun liegt es in der Verantwortung des Verwaltungsrates resp. der Gesellschafter, die Einsetzung einer Revisionsstelle zeitnah zu veranlassen. Handelt der Verwaltungsrat / die Gesellschafter nicht oder zu spät, wird die Jahresrechnung nicht ordnungsgemäss geprüft. Man spricht dann von einem Mangel in der Organisation und der Verwaltungsrat / die Gesellschafter haften für  Schä­den, die aufgrund dieser Pflichtverletzung ent­stehen.

Weder bei der Anmeldung zum Opting-out wird jedoch die effektive Mitarbeiterzahl nachgeprüft noch in den Folgejahren kontrolliert, ob die Limite überschritten wurde. Es ist tatsächlich so, dass der Gesetzgeber auf die wahrheitsgemässen Angaben des Verwaltungsrates / der Gesellschafter vertraut und auf die abschreckende Wirkung von Verantwortlichkeitsklagen setzt, sollten im Nachhinein Organisationsmängel zum Vorschein kommen.

Fazit

Verwaltungsrat und Gesellschafter sind gut beraten, wenn sie die Mitarbeiterzahl periodisch überprüft (beispielsweise immer Mitte Jahr). Steht eine Expansion mit entsprechender Erhöhung der Mitarbeiterzahl über 10 Vollzeitstellen in der Planung, ist das Thema Revisionsstelle auf die Traktandenliste zu nehmen. Massgebend ist das laufende Geschäftsjahr, d.h. wenn der Geschäftsbericht bereits vorliegt ist es schon reichlich spät um noch eine Revisionsstelle einzusetzen.

Links:
1 Grössenkriterien ordentliche Revision: http://www.revisionsaufsichtsbehoerde.ch/docs/content_blau.asp?id=31348&sp=D&m1=30479&m2=30487&m3=31332&m4=31348&m5=&domid=1063
2http://www.nzz.ch/wirtschaft/wirtschafts-und-finanzportal/die-revisionsstelle-ist-keine-versicherung-gegen-insolvenz-1.18242006

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