Sollen Pensionskassen in Hedge Fonds und Private Equity investieren?

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Dass Anlagen in Hedge Fonds und Private Equity teuer sind, ist allgemein bekannt. Gemäss dem BSV investieren Pensionskassen im Durchschnitt 6.4% ihres Vermögens in alternative Anlagen. Diese verursachen aber 33.2% der Vermögensverwaltungskosten1. Hedge Fonds verlangen in der Regel eine Grundgebühr von 2% pro Jahr plus 20% Gewinnbeteiligung. Verständlich, wenn solche Zahlen bei den Versicherten zu Kopfschütteln führt. Es gibt aber noch einen sehr viel trivialeren Grund als die Vermögensverwaltungskosten, weshalb Pensionskassen nicht in sogenannt alternative Anlagen investieren sollen.

Pensionskassen sind in ihrer Anlagetätigkeit nicht frei. Das Gesetz sieht Höchstgrenzen vor („BVV2 Anlagerichtlinien“). So dürfen beispielsweise höchstens 50% des Gesamtvermögens in Aktien, 30% für Anlagen in Immobilien und 15% für alternative Anlagen eingesetzt werden. Die Pensionskasse der Stadt Zürich beispielsweise hat die 15% Grenze für alternative Anlagen ausgereizt. Sie investiert derzeit zu 8.0% in Hedge Fonds, 5.5% in Private Equities und 2.4% in Rohstoffe. Begründung dafür ist gemäss der PKZH2, dass die Netto-Performance (nach Kosten) immer noch höher ist als bei einer „normalen“ Obligationen-Aktien-Anlage. Zudem hätten Hedge Fonds, getreu ihrem Namen nach, in der Finanzkrise weniger stark verloren als Aktienanlagen und somit eine Art Absicherungswirkung erzielt (verschwiegen wird, dass beim anschliessenden Börsenrally auch tiefere Gewinne anfielen). Überhaupt korreliert die Performance der meisten Hedge Fonds und Private Equity-Anlagen sehr auffällig mit dem allgemeinen Aktienmarkt. In guten Jahren ist die Performance auch positiv aber weniger ausgeprägt, in schlechten Jahren auch negativ aber weniger stark. Diversifikation sieht anders aus. Weitere begründete Bedenken bei alternativen Anlagen sind auch die Liquidität und Handelbarkeit dieser Anlagen. Die absolut wichtigste Frage aber hat weder damit noch mit den Vermögensverwaltungskosten zu tun. Was sich eine Pensionskasse tatsächlich fragen muss ist, weshalb überhaupt absichern?

stockmarket1Mit einem typischen Anlagehorizont von 20, 30 oder sogar 40 Jahren einer Pensionskasse können kurzfristige Aktienmarktschwankungen nämlich einfach ausgesessen werden. Einem Aktiencrash folgten bisher immer schnelle Gegenreaktionen und einige Jahre später werden wieder neue Allzeit-Hochs erklommen (so geschehen nach dem Black Friday 1987, Asienkrise 1998, Dot-Com Blase 2000-2003 und Finanzkrise 2007-2008). Rechnet man die Dividenden mit ein, so hat der Schweizerische Aktienmarkt gemessen am SMI im Mai 2013 den alten Höchststand von 2007 übertrumpft. In guten Börsenjahren (und solche gab es in den letzten Jahrzehnten mehr als schlechte) hinken die alternativen Anlagen hinterher. So gesehen sind Anlagen in teure und komplexe Konstrukte nicht nur nicht sinnvoll, sondern eine Geldverschwendung.

Warum also absichern? Kürzlich hat sich das die grösste Pensionskasse der USA, die kalifornische Calpers, auch gefragt und ist zum Schluss gekommen, dass man gänzlich aus Hedge Fonds Anlagen auszusteigen gedenkt. Gemäss Angaben von Calpers wird es aber ein ganzes Jahr dauern, bis sämtliche Hedge Fonds Anlagen liquidiert sind. So wie noch vor der Zeit von komplexen Finanzprodukten genügt künftig eine einfache Aufteilung der Anlagen zwischen Obligationen und Aktien um die Anforderungen an Diversifikation und Risiko zu erfüllen. Und dies zu viel günstigeren Konditionen. Die Pensionskasse der Stadt Zürich sollte sich dies als Vorbild nehmen.

 

Links:

1 http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/bundesrat-will-intransparente-hedge-funds-verbieten-1.18205118

2 http://www.nzz.ch/wirtschaft/ein-kostendach-fuer-alternative-anlagen-ist-kontraproduktiv-1.18379677

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Ein Kommentar zu “Sollen Pensionskassen in Hedge Fonds und Private Equity investieren?

  1. Teile diese Meinung. Man sollte allgemein nur in Produkte investieren, welche man versteht. Bei vielen alternativen Anlagen ist das unklar. Pensionskassen unterliegen richtigerweise Beachränkungen. Wegen ihrer langfristigen Ausrichtung ist aussitzen gewiss die bessere Lösung.

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